»Wasch mich, aber mach mich nicht nass«, könnte die Struktur eines therapeutischen Auftrages sein. Jeder kennt solche Wendungen, die etwas verlangen, was faktisch – oder logisch – ausgeschlossen ist. Warum ist das so, und welche Wirkung entfalten solche Botschaften auf den Empfänger? Was ist ein Therapeutikum gegen Paradoxe?

Die Phänomene, die wir mit Paradoxon oder verwandten Begriffen wie Antinomie, Widerspruch und Dilemma zu begreifen suchen, haben ihre Wurzeln in der Logik unserer Sprache. Die Möglichkeit, von paradoxen Phänomenen verwirrt, ver-rückt, seltsam berührt oder fasziniert zu werden, betrifft nicht nur Logiker, sondern uns alle, für die In- der-Welt-Sein eben auch In-der-Sprache-Sein bedeutet. Paradoxien sind ohne die »Denkgesetze«, in denen Menschen Sinn erschaffen, nicht denkbar. Der Beitrag führt in die Psycho-Logik der Paradoxien ein, um sich dem Betriebsgeheimnis von Kreativität zuzuwenden. Batesons Double-Bind-Konzept und Koestlers Theorie der Bisoziation werden herangezogen, um kreative und produktive Aspekte paradoxen Denkens herauszuarbeiten. Ohne Paradoxien, ohne Widersprüche und Dilemmata in unserem Leben gäbe es keine Veränderung, so eine der zentralen Thesen des Artikels. Kommt die Geburt des Neuen aus dem Geiste der Paradoxie? Paradoxien sind auch und v.a. Ressource eines Denkens, das sich selbst und die eigenen Landkarten des Denkens flexibel und offen für Veränderung hält.

Erschienen in: Familiendynamik. Heft 04/2012. S. 244-257.

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